Presseartikel Kinderartzlicher Notdienst im Lukaskrankenhaus

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Der kinderärztliche Notdienst im Lukaskrankenhaus
Donnerstag, 27. Mai 2010 um 00:00 Uhr
Von Eltern hört man oft Beschwerden über lange Wartezeiten in der ambulanten Klinik für
Kinder und Jugendliche, insbesondere am Wochenende. An einigen Tagen soll es vorkommen,
dass Eltern mit ihren kleinen Notfallpatienten 2 bis 3 Stunden nach Annahme bis zur
Behandlung warten müssen. Das Wartezimmer ist in diesen Fällen oft gefüllt mit bis zu 20 oder
mehr Elternpaaren und deren akut kranken Schützlingen.
Prof. Dr. Peter Gonne Kühl, seit Oktober 2000 Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche
im Lukaskrankenhaus, der einzigen pädiatrischen Klinik des Kreises Neuss, nimmt sich für uns
freundlicherweise viel Zeit, um die ambulante und stationäre Klinik und deren Funktion
vorzustellen und Hintergründe zu erklären.
„Die meisten ambulanten Fälle betreffen Fieber, Asthma, Diabetes und Unfälle. Natürlich richten
wir uns nach medizinischen Filtern, durch die schwerkranke Kinder selbstverständlich
vorgezogen werden. Dadurch kann es je nach Ansturm passieren, dass längere Wartezeiten
auftreten. Unser Team nimmt sich durchschnittlich 30 bis 45 Minuten Zeit für die Behandlung
eines Kindes“, so Professor Kühl.
Die Schwerpunkte der pädiatrischen Klinik sind neben der allgemeinen Kinderheilkunde die
Behandlung von früheren Neugeborenen, von Kindern mit Lungenerkrankungen und
Infektionskrankheiten sowie Anfallsleiden und Diabetes. Ziel des Teams ist eine erstklassige
Behandlung, man will den stationären Aufenthalt so angenehm wie möglich gestalten, so
sorgen auch Showeinlagen von Clowns und Zauberern bei den kleinen Patienten für
Ablenkung.
Angenehm kindlich sind die Stationszimmer mit insgesamt 69 Betten eingerichtet; man sieht
buntbemalte Wände und Mobilés. Kinder lachen mit den Schwestern und scheinen sich wohl zu
fühlen. Im sogenannten „Chillraum“ befinden sich coole Sessel mit einem gegenüberliegenden
großen LCD-Bildschirm für die jugendlichen Patienten. Die Einrichtung bietet außerdem ein
Mutter-Kind-Zimmer, so dass ein Elternteil mit übernachten kann, flexible Besuchszeiten für
Eltern und ein riesiges Spielzimmer für die Kleinen. Über die „Aktion Luftballon“, einem
Förderverein zur Verbesserung der Lebenssituation der Patienten, initiiert von Eltern und
Bürgern, konnte die Intensivstation 2002 mit einer Spende von etwa 1,5 Mio. Euro technisch
auf den neuesten Stand gebracht werden.
Es werden pro Jahr 3500 stationäre und 8000 ambulante Patienten in der Kinderklinik, die seit
1962 besteht, versorgt. Seit 2007 haben sich niedergelassenen Kinder-, Jugend- und
Klinikärzte im Rheinkreis Neuss zum sogenannten ‚Paed-Netz‘ zusammengeschlossen, was
den Vorteil einer schnelleren und zentraleren Hilfe an einem Standort bietet und die
Gesundheitssituation verbessert. In der Praxis bedeutet dies, dass man sich direkt an das
Krankenhaus wendet. Der diensthabende Kinderarzt behandelt dann Notfälle in der
Notdienstpraxis der Klinikambulanz des Lukas außerhalb der regulären Sprechzeiten.
Das Personal, bestehend aus 18 Fachärzten, 113 Pflegekräften und einer Familientherapeutin
bietet eine medizinische Rundumversorgung zu jeder Zeit.
Wie kommt es, dass einige Neusser mit dem „medizinischen Service“ der Klinik nicht zufrieden
sind, sich über unnötig lange Wartezeiten oder medizinische Abläufe beschweren?
„Die Hemmschwelle, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen ist in den letzen Jahren
gesunken. Der Trend der Deutschen schnell zum Arzt zu gehen (im Durchschnitt sucht jeder
Deutsche 60 Mal im Jahr den Arzt auf!) ist recht hoch und diese Denkweise überträgt sich auf
den Umgang mit den Kindern“, so Prof. Kühl, „Die Bereitschaft der Eltern, Verantwortung für
Ihre Kinder zu übernehmen fehlt immer mehr. Sie kommen schon wegen Kleinigkeiten wie
leichtem Fieber in die Ambulanz oder rufen sogar den Krankenwagen, was nebenbei auch
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enorme Kosten verursacht. Viele Krankheiten lassen sich immer noch mit natürlichen
Hausmitteln lindern oder bekämpfen. Es fehlt den Erziehungsberechtigten womöglich an
Sensibilisierung, Information und Verantwortungsbewusstsein. Die gesellschaftliche und soziale
Veränderung ist in der Klinik stark spürbar: Die Jugendgewalt, Kriminalität und der
Alkoholmissbrauch nehmen stark zu.“
Natürlich gibt es auf der anderen Seite auch die positive Rückmeldung sehr vieler Eltern, die
laut schriftlicher Patientenbefragung mit den Pflegekräften, der hochwertigen Versorgung durch
Fachärzte und den angenehmen Stationen mit fachlicher Betreuung sehr zufrieden sind.
Zum Juli diesen Jahres geht Kühl in Altersteilzeit. „Auf zwei volle aktive Jahre folgen zwei
passive und dann die Rente. Mir ist es sehr wichtig, die Fertigstellung des geplanten Anbaus
der Kinderklinik mit neuen Operationssälen im Frühjahr 2012 mitzuerleben.“
Wartezeiten hin oder her – man sollte nicht vergessen, dass das Team der Kinderklinik unter
der Leitung von Prof. Kühl jeden Tag sein Bestes gibt, um junge Leben zu retten und kleine
Patienten stationär zu heilen!
Sylvia Schmallandt
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